Padova - Chioggia

15. - 18. April

Nach Vicenza geht es mit dem Zug weiter nach Padova.

Padua war mir schon früh ein Begriff, denn als kleine Kinder wurden wir angewiesen, wenn wir etwas verloren hatten, den heiligen Antonius von Padua um Hilfe zum bitten. Das habe ich dann natürlich auch gemacht ("Heiliger Antonius von Padua, hilf mir mein Trotti wieder zu finden, das ich irgendwo im Dorf stehen gelassen habe, gopfertaminomol!"). Ja, und oft hat es dann gewirkt! Vielleicht sollte ich das wieder mal probieren, denn im Alter verliert man ja öfter was...

 

So ist dann auch die Basilika des San Antonio eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt und eine der meist besuchten Kirchen Italiens.

Die Paduaner sprechen nur von der "Basilica del Santo" oder noch kürzer vom "Il Santo".

Die Kirche ist ein eindrucksvoller Bau, sowohl von aussen mit den acht Kuppeln und der 37 Meter hohen Fassade, wie auch der mächtige romanisch-gotische Innenraum mit Werken von Donatello.

Die grösste Attraktion sind aber die Fresken von Giotto (1267 - 1337) in der Scrovegni-Kapelle. Nicht nur für uns, sondern auch für sehr viele Besucher ist es eine grosse Sehenswürdigkeit, so dass man ohne Voranmeldung keine Chance hat. Der Besuch der Kapelle ist dann auch auf 20 Minuten begrenzt. und die Besucher werden nur gruppenweise eingelassen.

Der ganze Raum inkl. der Decke ist mit Fresken in kräftigen Farben mit Motiven aus dem alten und neuen Testament bemalt. Auch nach über 700 Jahren hinterlassendie Fresken einen überwältigenden Eindruck.

Padova ist aber auch eine moderne, stark von Student/-innen geprägte Stadt mit grossen Plätzen und üppigen Märkten, mit präsidialen Bauten und - vielen Velos. Viele Strassen sind auch hier wie in Vincenza für den motorisierten Privatverkehr gesperrt und für viele Italiener/-innen ist das Fahrrad zu einem alltäglichen Verkehrsmittel geworden.

Chioggia

Copyright: Myratz
Copyright: Myratz

Die nächste Station ist Chioggia, keine 50 Kilometer von Padova entfernt, aber doch eine ganz andere Welt: Eine kleinstädtische, nein dörfliche Atmosphäre eines Fischerdorfes, eine breite, verkehrsberuhigte Hauptstrasse auf der sich abends ganz Chioggia zum Apero trifft.Alles fährt Velo, vom Kind bis zur Grossmutter.

Chioggia liegt wie Venedig auf einer mit dem Festland mit einer Brücke verbundenen Insel, die von Kanälen durchzogen ist und wird deshalb oft als "Klein-Venedig" bezeichnet. Was Chioggia aber von Venedig unterscheidet, sind die Touristen: Es gibt (fast) keine, was natürlich eine ganz andere Atmosphäre schafft. So wurden wir, als wir mit dem Velo unterwegs waren und ein interessantes Privathaus fotografierten, vom Besitzer eingeladen, das Haus zu besichtigen (danke Gino Barbieri!). Danach wurden Mailadressen ausgetauscht und Gino folgt nun vielleicht unserm Blog. Etwas, was in Venedig undenkbar wäre.

Im Sommer könnte es hier allerdings anders aussehen: Auf einer Chioggia vorgelagerten Insel ist ein langer Sandstrand mit einigen grossen Hotels. Dann sind die Chioggia-Bewohner/-innen nicht mehr unter sich.

 

Erstaunt waren wir über ein paar ganz spezielle Fischerei-Technik am Strand (linkes Bild): Grosse Netze, die vom Land ins Wasser gelassen und wieder mit den Fischen, die sich darin verfangen haben, hochgezogen werden.

Die gleiche Technik fanden wir in Cochi in Südindien (rechtes Bild).

In der Ausführung unterscheiden sich die Netze natürlich stark: Während die indischen Gerüste aus Bambus sind, sind die italienischen aus rostfreiem Chromstahl. In Indien werden die Netze unter Nutzung der Hebelwirkung von den Fischern aus dem Wasser gehoben, während dies in Italien mit Stahlseilen von Motoren erledigt wird.

Erstaunlich ist auch die Ähnlichkeit der beiden Ortsnamen Chioggia und Chochi.

Da sich in Italien gleich neben den Netzen Fischrestaurants befinden (die im April noch nicht offen sind), wurde diese Technik wahrscheinlich als Touristenattraktion von den indischen Fischern kopiert und ist keine Fischfangtradition in dieser Gegend. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0