Ljubljana, die umweltfreundliche Hauptstadt - ohne Velowege

27.-30. April

Wir kommen am Freitag, den 27. April in Ljubljana an. Das Wetter ist sommerlich, die Stadt in Feiertagsstimmung. Es ist ein Feiertag, man feiert den Beginn des Aufstands gegen die Besatzung im 2. Weltkrieg. 

Die Mitte der Stadt bildet der Schlossberg, um den sich der Fluss Lubjanica schlingt, an dessen Ufern sich ein Café ans andere reiht. Die "Fluss-Cafés" sind voll, mehrheitlich mit  Slowen/-innen, viele Familien, viele Kinder, aber doch auch einige Tourist/-innen. Wir hören deutsch, hindi, polnisch, englisch und vor allem italienisch. Die Stadt mit ihrem italienischen Flair und östreichischem Charme wirkt friedlich, ja gemütlich, und wir fühlen uns sofort wohl hier. Klar: Ein nationaler Feiertag ist nicht Alltag, morgen Samstag wird das schon etwas anders aussehen.

 

Am Samstag herrscht immer noch die gleiche Festtagsstimmung, ausser dass nun alle Geschäfte geöffnet sind. Man schlendert durch die autofreien Strassen und die Cafés am den Flussufern sind schon gegen Mittag gut besucht, man trinkt Bier, Weisswein, Aperol Spritz, geht auf den Markt.

Am Sonntag sind viele Geschäfte wieder zu, die Stimmung bleibt. Morgen Montag beginnt aber sicher wieder der Alltag.

Aber auch am Montag ändert sich nichts!

Kein Verkehr ausserhalb der Innenstadt. Staus? Undenkbar! Aber die Menschen bleiben trotzdem vor roten Fussgängerampeln stehen, auch wenn kilometerweit kein Auto in Sicht ist.

Wir verstehen die Welt nicht mehr. Ist das der Alltag in Ljubliana? Findet hier die Mobliltätswende statt oder stirbt hier sogar das Auto aus?

Wohl kaum. Denn am Dienstag ist wieder Feiertag, 1. Mai, und wir ziehen weiter. Wir nehmen an, dass fast alle Einwohner/-innen von Ljubljana die Feiertage am Freitag und Dienstag für eine arbeitsfreie Brücke genutzt haben und entweder verreist sind, z.B. in die Berge, oder bei sommerlichem Wetter die ruhige Stadt genossen haben. Wir aber werden nie erfahren, wie der Alltag in der Hauptstadt von Slowenien ist.

Die Verkehrsplaner haben die Stadt in den letzten Jahren stark verändert: Wo noch vor 10 Jahren Veloverbot herrschte, ist es nun der motorisierte Privatverkehr, der aus der Innenstadt verbannt wurde.

 2015 wurde Ljubljana vom Verkehrsplanungsunternehmen Copenhagenize Design Company erstmals als eine fahrradfreundliche Stadt eingestuft und rangiert heute auf Platz 8 von 20 velofreundlichsten Städte. Und nein, eine Schweizer Stadt sucht man auf diesem Index vergebens.

Besonders bemerkenswert ist für mich, dass dies ohne Fahhradwege möglich ist. Wo man sich in der Schweiz, aber auch in andern Städten wie Hamburg bemüht, Fussgänger und Fahrradverkehr zu trennen, herrscht in Ljubliana eine völlige Durchmischung, auch in engen Gassen. Trotzdem haben wir nie Konflikte zwischen Fussgängern und Velofahrern erlebt: Man nimmt auf beiden Seiten Rücksicht.

Allerdings ist auch die Fahrweise der Velofahrer in Ljubljana anders. Hier ist Velofahren wirklich "Langsamverkehr", wie übrigens auch in den italienischen Städten Padova und Chioggia. Aggressive Raser  sieht man hier nicht, ebenso wenig Sportfahrer in bunten Trikots.

 

Siehe dazu auch:

 https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/unterwegs/768589_Ljubljanas-kurzer-Prozess-mit-dem-Autoverkehr.html

Vor allem dank ihren sichtbaren Erfolgen im Bereich der Verkehrsplanung wurde Ljubljana von der EU 2016 die Auszeichnung "Europas Umwelthauptstadt" verliehen. Ljubljana ist aber auch sichtbar eine "grüne" Stadt: In den letzten Jahren wurden fünf neue Parks angelegt und 2000 Bäume gepflanzt. Heute sind drei Viertel des Stadtgebiets Grünflächen.

 

Mehr dazu hier:

https://www.visitljubljana.com/en/visitors/things-to-do/sightseeing/article/green-ljubljana/

 

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