Albanien: Shkodra 2.-5. Juni

Am 2. Juni sind wir von Montenegro kommend in Albanien eingereist.

Unsere Reise starteten wir am 13. April in Italien und danach waren wir in den ex-jugoslawischen Staaten Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro unterwegs.

 

Albanien ist nun sicht- und spürbar anders, was sich schon durch seine Geschichte erklärt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Land 46 Jahre von einer absurden kommunistischen Diktatur beherrscht, die das Land immer mehr isolierte: Zuerst kam der Bruch mit dem ehemaligen Bündnispartner Jugoslawien, danach mit der Sowjetunion und schlussendlich, auch mit China. Diese Zerwürfnisse erfolgten jeweils nicht still und leise, sondern wurden von gewaltigem Theaterdonner, internen Säuberungen und hasserfüllten Kampagnien begleitet, wie wir es zur Zeit vom amerikanischen Präsidenten erleben.

Mit dem Unterschied, dass Enver Hoxha zehntausende seiner Gegner in Arbeitslager und Gefängnisse steckte oder direkt umbringen liess.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4ngnis_Spa%C3%A7

Er erliess auch ein totales Verbot der Religionsausübung und die meisten Kirchen und Moscheen wurden zerstört. Verboten war ebenfalls motorisierter Individualverkehr. Es gab nur einige Autos für die Parteioberen und wenige, sehr wenige Autobusse. Waren wurden bis Ende der 80er Jahre überwiegend mit Pferdefuhrwerken transportiert. Für die Albaner galt auch ein absolutes Reiseverbot: Wer trotzdem versuchte auszureisen, wurde erschossen oder für viele Jahre in Arbeitslager gesteckt und auch die ganze Familie - auch entfernte Cousinen und Cousins - schikaniert und mit Berufsverboten belegt. So erstaunt es nicht, dass Albanien mit Abstand das ärmste Land Europas war.

Für Reisende war bis Ende der Achzigerjahre Albanien ein weisser Fleck auf der Landkarte. Zwar gab es in jeder grösseren Stadt ein Hotel, aber Touristen (1985 ca. 1'500) wurden nur in Gruppen ins Land gelassen, die Reiseroute wurde vom Staat festgelegt und die Touristen permanent überwacht. 1986 und 1988 war ich einer von ihnen.

1990 brach der Kommunismus zusammen.  Der darauf folgende Transformationsprozess verlief zwar schleppend und mit Rückschlägen, aber doch weitgehend friedlich, ganz im Gegensatz zu den meisten andern osteuropäischen Staaten.

Albanien hat sich wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich in den letzten 25 Jahren enorm entwickelt und präsentiert sich heute als moderner Staat, der mit den Nachbarstaaten gut mithalten kann. Auch die EU, um deren Mitgliedschaft sich Albanien intensiv bemüht, attestierte dem Land kürzlich grosse Fortschritte im Bereich der Justiz, der Verwaltungsreform und der Bekämpfung der Korruption. Defizite bleiben aber, so beträgt z.B. die Wirtschaftsleistung pro Kopf nur 29% des EU-Durchschnitts.

 

Shkodra

Shkodra im äussersten Nordwesten Albaniens zählt knapp 150'000 Einwohner/-innen und gilt als das kulturelle Zentrum Nordalbaniens. Es ist eine ruhige und überschaubare Stadt mit gut besuchten Fussgängerzonen, die sich aber stark von den mittel- und nordeuropäischen Fussgängerzonen unterscheiden. Hier dominieren kleine Läden und vor allem Cafés. Geschäfte internationaler Marken fehlen völlig: Kein Mc Donalds, kein Zara, kein H&M - welche Wohltat. 

Am liebsten bewegen wir uns in Städten mit dem Velo, was leider vielerorts nicht möglich ist. In Skodra standen uns aber im Hotel zwei Fahrräder zur Verfügung, die wir natürlich sofort in Beschlag genommen haben. Praktisch: Mein Velo brauchte keine Klingel, denn es quietschte so laut, dass wir von weitem gehört und beachtet wurden.

In Skodra ist man als Velofahrer auch nicht alleine. Auffällig viele sind mit dem Fahrrad unterwegs, alt wie jung - und auffällig viele Frauen, denn in Albanien ist Velofahren überwiegend Männersache, aber nicht so in Shkorda.

Und auch hier wie schon in Ljubljana: Das Fahrrad ist hier kein Sportgerät und kein Selbstverwirklichungsinstrument, sondern ein normales Transportmittel. Dementsprechend ist der Fahrradverkehr auch gemächlich und aggressionsfrei.

Religionsausübung war zu Zeiten des Kommunismus streng verboten. Auch heute spielt die Religion im Leben der meisten Albaner/-innen keine grosse Rolle und Angaben über die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung schwanken enorm. Shkodra ist aber das Zentrum der katholischen Kirche in Albanien, da die meisten Katholik/-innen im Norden des Landes leben. 

Unser Hotel war - obwohl nur 5 Velominuten vom Zentrum entfernt - eine grüne Oase in einem ruhigen Wohnquartier. Den Aufenthalt haben wir auch genutzt, ob unseren Blog wieder mal zu aktualisieren.

 

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