Tirana 4.-6. und 16.-18. Juni

Vor 30 Jahren noch eine graue, trostlose, ja tote Stadt ist Tirana heute laut, bunt, hektisch, mit viel Leben auf der Strasse.

Der Skanderberg-Platz

Es gibt Städte, bei denen man nicht genau sagen kann, wo das Zentrum ist. In Tirana ist das klar: Der 38'000 m2 grosse Skanderbeg-Platz - so benannt nach dem albanischen Wilhelm Tell - ist das kulturelle, verkehrstechnische und gesellschaftliche Zentrum der Stadt. Im ersten Weltkrieg von den Österreichern als Stadtplatz angelegt, wurde er im letzten Jahrhundert laufend erweitert und umgestaltet, vor allem in der Zeit der kommunistischen Herrschaft.

 

Kommunistische Regime von Kuba bis zur Sowjetunion liebten grosse Plätze, die den Machthabern als Bühne für die organisierten Grossaufmärsche dienten.

Motorisierter Privatverkehr war in dieser Zeit verboten und die wenigen Busse, Taxis und Regierungsfahrzeuge überquerten den Platz problemlos, ganz ohne Verkehrsregeln. 

Dies änderte sich in den 90er-Jahren und bald war der Platz vor allem durch sein permanentes Verkehrschaos berüchtigt.

Die Statue des langjährigen Diktators Enver Hoxha wurde schon 1991 bei Studentenprotesten gestürzt und zerstört. Bald darauf wurden auch die Statuen der andern kommunistischen Vorbildern entfernt. Deren Überreste  sind nun im Hinterhof des Kunstmuseums zu besichtigen.

2008 lancierte der neue Bürgermeister von Tirana und heutige Ministerpräsident Edi Rama eine  öffentliche Ausschreibung zur Umgestaltung des Platzes. Ziel war eine radikale Umstrukturierung mit einer Fussgängerzone und einem Bereich für den öffentlichen Verkehr. Der Privatverkehr sollte grossräumig umgeleitet werden. Die Arbeit konnte allerdings nicht beendet werden, da der neu gewählte Bürgermeister 2011 die Pläne änderte. Fünf Jahre später - die Umbauarbeiten waren noch nicht abgeschlossen - ordnete der neue Bürgermeiser abermals Änderungen in der Gestaltung an. Das Resultat: Der Skanderbegplatz ist nun seit acht Jahren eine Baustelle.

Obwohl noch unvollendet erfüllt der Platz schon seine Funktion als Begegnungszentrum und als Veranstaltungsort. Der Verkehr wurde zum grossen Teil schon umgeleitet und neue Grünflächen schirmen den Platz gegen die stark befahrenen Umgehungsstrassen ab.

Für die Fussball-WM wurde auf dem Skanderbeg-Platz eine grosse Leinwand und Stühle und Tische für rd. 4'000 Personen aufgestellt.

Wir sahen hier das Spiel Brasilien - Schweiz. Erstaunt hat uns, dass gefühlte drei Viertel der (fast ausschliesslich albanischen) Zuschauer/-innen für Brasilien und nicht für die Schweiz war, obwohl einige der Spitzenspieler im Schweizer Team einen (kosovo-)albanischen background haben.

In seiner Zeit als Bürgermeister begann Edi Rama nicht nur die Umgestaltung des Skanderbeg-Platzes, sondern er ordnete auch an, dass die städtischen Verwaltungsgebäude, die unter der Diktatur einen trostlosen, ja bedrohlichen Eindruck machten, bunt angemalt wurden. Auch Fassaden von Privathäusern, Brücken usw. wurden bunt bemalt.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist Bunk'art.

 

Enver Hoxha liess in den Siebziger Jahren am Stadtrand von Tirana einen riesiges Bunkersystem bauen, welcher der Regierung im Kriegsfall - und damit rechnete der Diktator permanent, war er doch von "Feiinden" umzingelt -  als Kommandobunker dienen sollte. Heute ist diese Anlage als interessantes Museum und Ausstellungsraum umgestaltet und öffentlich zugänglich. Man erfährt hautnah vieles über die Geschichte Albaniens.

 

Einen guten Einblick bietet die Website:

http://bunkart.al/1/home

 

 

Tirana hat uns sehr gefallen: Eine lebhafte, aber nicht gestresste Stadt und keine Kulissenstadt für Tourist/-innen!

 

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