Kosovo 03.-12. Juli

A = Einreise aus Albanien

B = Prizren

C = Peja / Rugova

D = Prishtina

E = Ausreise nach Serbien

Kosovo ist ein Kind des Staates Jugoslawien, der in den Neunzigerjahren auseinanderfiel. Im sozialistischen Jugoslawien unter Tito genoss Kosovo einen Autonomiestatus, der aber 1989 unter dem neuen Machthaber Milosevic stark eingeschränkt wurde. Dies verlieh den Unabhängigkeitsbestrebungen der albanischen Bevölkerung Kosovos starken Auftrieb und es formierte sich Widerstand, worauf die serbischen Regierung mit verstärkter Repression reagierte: Es kam zu willkürlichen Enteignugen, albanische Parteien und Vereine wurden verboten und albanische Staatsangestellte wurden entlassen. Nationalistische Propaganda auf beiden Seiten heizte die Stimmung an und es formierte sich eine (zunächst gewaltfreie) Bewegung, welche die Unabhängigkeit Kosovos anstrebte. Gleichzeitig kamen aber auch vermehrt albanische Kosovaren als Flüchtliche nach Westeuropa, viele auch in die Schweiz. In Kosovo formierte sich mit der UCK eine paramilitärische Organisation welche mit militärischen Mitteln die Unabhängigkeit anstrebte.Ab ca. 1996 ging der bislang gewaltfreie Widerstand in militärische Auseinandersetzungen zwischen der UCK und der serbischen Armee über und wurde schliesslich zu einem brutalen Krieg mit verheerenden Auswirkungen für die Zivilbevölkerung. Mit der Begründung, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, griff die Nato 1999 ein, bombartierte strategische Ziele in Serbien, besetzte den Kosovo und errichtete ein UN-Protektorat. Bald darauf kamen zahlreiche Flüchtlinge zurück, welche mithalfen, das Land wieder aufzubauen. Gleichzeitig kam es aber auch zu Gewaltexzessen gegen die serbischen Bewohner des Kosovos, welche vertrieben wurden oder flohen. 2008 erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit, welche von 111 der 193 UNO-Mitgliedstaaten - darunter der Schweiz - anerkannt wurde. Für Serbien ist der Kosovo aber nach wie vor eine serbische Provinz.

Prizren

Im Kosovo hatten wir das Glück, dank einer lieben Arbeitskollegin (Faleminderit Elhame!) nicht nur gute Tipps, sondern auch Kontakte zu interessanten Menschen zu erhalten. So waren wir in Prizren mit Urata, einer Zahnärztin, die auch ein Praktikum in der Schweiz absolviert hat, unterwegs. Sie engagiert sich im Kosovo mit viel Energie für die öffentliche Kinderzahnmedizin, beisst aber im politischen Umfeld auf Granit.

Dank Urata konnten wir auch das Hinterland von Prizren kennenlernen. Wir fuhren zusammen Richtung Mazedonien in die Berge.

Prizren ist die zweitgrösste Stadt Kosovos und hat rd. 85'000 Einwohner/-innen.

Nahe der Grenzen zu Albanien und Mazedonien gelegen, war Prizren über Jahrhunderte ein wichtiges Handeslzentrum mit multiethnischer Bevölkerung. Auch heute noch leben verschiedene Völker in der Stadt, von den Albanern, welche die Mehrheit bilden, über Türken, Goraner, Roma bis zu Torbeschen. Nur Serben gibt es in Prizren fast keine mehr. Sie flohen nach den Ausschreitungen im Jahr 2004, bei denen viele orthodoxe Kirchen und Wohnhäuser der Serben zerstört wurden. 

Die recht gut erhaltene Altstadt spiegelt diese Völkervielfalt.

Während viele historische Bauten dem Verfall preisgegeben werden....

... wird andernorts neu gebaut.

Aber nicht alle Neubauten sind so hässlich wie dieser "gerade" Turm von Pisa.

Peja / Rugova

Peja diente uns als Ausgangsort für einen Ausflug in die Region Rugova. Peja selbst ist nicht attraktiv. Ausser einer belebten Fussgängerzone mit Bistros, Restaurants und Cafés ist die Stadt heruntergekommen. Schlaglöcher in den Strassen, Trottoirs vollgesopft mit Autos, die z.T. plattfüssig schon Jahre dort stehen, viel Abfall in und vor allem neben Containern, die dem Gestank nach zu urteilen schon länger nicht mehr gelert wurden. Laut Wikipedia stehen 30% der Wohnungen leer, was einiges erklärt.

Zur Zeit unseres Besuches war aber Ferienzeit und die Hälfte der Autos hatte CH- oder D-Kennzeichen. Sobald die Leute hörten, dass wir Deutsch sprachen, wurden wir freudig begrüsst und wir hatten einige interessante Begegnungen - was die Stadt dann für uns doch wieder attraktiv machte...

Das Patriarchenkloster Pec

Eine grossartiger Kulturschatz befindet sich im Patriarchenkloster, einem der bedeutensten Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche, am Stadtrand von Peja gelegen. Es ist dies die Kirche des Klosters, wobei es sich eigentlich um einen "Kirchenkomplex" handelt.

Die erste, einschiffige Kirche mit Querschiff wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Hundert Jahre später wurde die nördliche Seitenkapelle zu einer eigenständigen, aber angebauten Kirche ausgebaut. Ein paar Jahrzehnte später liess der neue Bischof im Süden eine weitere Kirche mit Kapelle anbauen, so dass wir heute vor einem Komplex mit vier zusammengebauten Kirchen stehen.

Einen Skandal gab es aber 2003. Damals liess der zuständige Bischof die auf der UNESCO-Liste des Weltkulturebes stehende Natursteinkirche in einem knalligen Rostrot anmalen. Und damit die Farbe auch gut hält, verpasste er den Kirchen zuerst einen dicken Verputz, welcher zudem die Fassade luftundurchlässig macht und dadurch langfristig die wertvollen Fresken im Innern gefärdet. Es hagelte Proteste aus der Fachwelt, der UNESCO und dem serbischen Kulturministerium, was aber nichts bewirkte.

Faszinierend sind die gut erhaltenen Fresken in den Kirchen aus vier Jahrhunderten, an denen sich die Entwicklung der Freskenmalerei ablesen lässt.

Im Patriarchenkloster leben immer noch eine Handvoll Schwestern, die im albanisch dominierten Umfeld kein leichtes Leben haben. Das Kloster wird auch von KFOR-Soldaten bewacht und beim Eingang findet eine Ausweiskontrolle statt.

 

Wie vergiftet das Klima zwischen Serben und Kosovoalbanern ist, lässt sich exemplarisch an dieser Forumsdiskussion zum Kloster sehen:

http://www.balkanforum.info/f26/patriarchenkloster-pe-27487/

 

Wir hatten das Glück, von der Oberin (rechts im Bild) empfangen zu werden und wurden von ihr auch zu einem Schnaps eingeladen.

Rugova

Rugova ist eine ca. 25 km lange Schlucht mit faszinierenden Landschaften und das beliebteste Ausflugsziel in Kosovo.

Mitten in diese idyllische Landschaft baute sich Ramiz Kelmendi, ein Grossunternehmer und einflussreicher Politiker, einen prozigen Palast.

Pristina

Pristina sei die hässlichste Stadt des Kosovo, meinte ein Bewohner, mit dem wir ins Gespräch kamen. Nein, das finden wir nicht. Prishtina weist zwar keine einzigartigen Sehenswürdigkeiten auf, aber der grosszütige und autofreie Boulevard, der die Stadtmitte durchzieht, beidseitig gesäumt mit Dutzenden von Cafés, verleiht Pristina eine entspannte Atmosphäre.

Ein bemerkenswertes Gebäude ist die 1982 gebaute Universitätsbibliothek. Die Aussenhülle ist Geschmacksache (mir gefällt sie gar nicht) der Innenraum wirkt aber grosszügig und hell, wenn auch etwas "folkloristisch".

Noch auffälliger ist der 1977 eröffnete "Jugend- und Sportpalast", ein Komplex mit zwei grossen Sporthallen mit ursprünglich 8'000 bzw. 3'000 Zuschauerplätzen und zahlreichen Nebenräumen auf einer Fläche von über 10'000 m2. Im Jahr 2000 wurde das Gebäude durch Feuer stark beschädigt und nur teilweise wieder instand gesetzt. Eine der Hallen steht heute der Basketballmannschaft zur Verfügung, die andere ist - ein improvisiertes Parkhaus. Der ganze Komplex wirkt ziemlich morbid.

In Pristina hatten wir die Gelegenheit, Xhemajl und seine liebenswerte Familie kennen zu lernen.Xhemajl führte uns zu seinem Elternhaus in der Umgebung von Drenas. Dieses wurde zu Beginn des Kosovo-Krieges von serbischen Militäreinheiten zerstört und alle anwesenden männlichen Familienmitglieder ermordet. Xhemajl hat nur überlebt, weil er noch ein Kind war. Seine älteren Brüder, aber wurden, wie auch sein Vater und seine Onkel, ermordet. Ein Trauma, das die Familie natürlich noch heute, 20 Jahre danach, schwer belastet.

Wir wurden von Xhemajl und seiner Familie eingeladen und grosszügig bewirtet und verbrachten angenehme Stunden zusammen, bei denen wir viel über die neueste Geschichte und die gegenwärtige Gesellschaft Kosovos lernen konnten.

Ausreise aus Kosovo

Eingereist in den Kosovo sind wir über Albanien, ausreisen wollen wir aber nach Serbien. Für die Serben ist Kosovo aber kein selbstständiger Staat, sondern eine serbische Provinz. 

Wie überquert man also eine Grenze, die für den einen Anrainerstaat gar nicht exisitert?

Dazu hier ein kurzer Bericht des Senders "Deutsche Welle":

 

https://www.dw.com/de/kosovo-und-serbien-grenzverkehr-mit-hindernissen/av-43450982

Im Gegensatz zu andern ausländischen Mitreisenden, welche die Einreise nach Serbien verweigerte wurde und die den Bus verlassen mussten, waren wir gut vorbereitet und kannten die Tricks. Dazu hatten wir auch noch eine Portion Glück - wir kamen durch.

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