Die Transfogarascher Hochstrasse

Diese 115 km lange Passstrasse (rum.Transfăgărășan) verbindet die Walachei mit Siebenbürgen und überquert die Transsilvanischen Alpen. Der kommunistische Diktator liess diese Strasse von 1970-1975 mit grossem Aufwand durch das Militär bauen. Dabei starben je nach Quelle zwischen 40 und 400 Arbeiter, vor allem beim Bau eines 887m langen Tunnels auf der Passhöhe. Die Strasse ist perfekt ausgebaut und auch heute noch in (für rumänische Verhältnisse sehr) gutem Zustand. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Aber ohne Bellazmira, denn unzählige Haarnadelkurven sind nicht ihr Ding und als Beifahrer/-in macht das auch keinen Spass. Sie blieb also im Tal und übernachtete in der Orangerie eines ehemaligen Schlosses (Artikel folgt).

Die Fahrt war ein Erlebnis! Ich fuhr früh los, um grösseren Verkehr zu vermeiden und so Überholmanöver zu reduzieren.

 

Bald verzog sich der Hochnebel und gab gewaltige Aussichten auf die Landschaft frei. 

Die Strasse und die Landschaften erinnerten mich an die Gotthard-Passstrasse.

Hier ein achtminütiges, witziges Video (nicht von mir) über diese Passfahrt:

https://www.youtube.com/watch?v=f5TlDwCs2Yw

Nicht abschrecken lassen durch den rumänischen Kommentar!

Curtea: Wo man zur Arztvisite in die Bar geht...

Übernachtet habe in der unspektakulären Kleinstadt Curtea de Arges - und hier etwas sehr spezielles miterlebt:

Nach der aufregenden Passfahrt trinke ich in einer Bar mein wohlverdientes Bier. Rein kommt ein Mann mit grosser Ledertasche, begrüsst die Kellnerin wie eine alte Bekannte, bestellt sich einen Kaffee und setzt sich an einen Tisch am Fenster.  Kurz darauf setzt sich eine Frau ihm gegenüber, in die Position, von der ich das Bild links aufgenommen habe. Die beiden sind in ein ernstes Gespräch vertieft, der Mann macht Notizen und schreibt etwas auf einen Zettel, den er der Frau übergibt, die sich verabschiedet - und einem Mann (Bauarbeiter?) den Platz überlässt. Wieder ernstes Gespräch, Notizen, dann zückt der Mann im blauen Kittel aus seiner Ledertasche - ein Stethoskop! und hört den Bauarbeiter ab! Ich traue meinen Augen nicht und frage ihn, nachdem dem der Bauarbeiter wieder gegangen ist, was er mache. Seine Story, die mir später von der Kellnerin bestätigt wird:

Er ist pensionierter Arzt, der früher eine Praxis in Aldea hatte. Nun kommt er zwei Mal wöchentlich in diese Bar und hält Konsultationen. Dabei werden die Patient-/innen natürlich nicht gründlich untersucht, sondern es werden Gespräche geführt und Rezepte ausgestellt.  Für eingehendere Untersuchungen werden die Patient/-innen an das kleine Spital im Ort weitergeleitet. Bezahlt wird der Arzt für seine Tätigkeit in der Bar vom staatlichen Gesundheitssystem. Dies, weil im Ort akuter Aerztemangel herrsche und das Spital überlastet sei. Keine schlechte Idee!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0